21.03.2014

Man muss nicht alles haben ...


... und vor allem, muss man sich nicht um alles kümmern.

Das trifft auch auf diesen Blog zu, der eigentlich dazu gedacht war das System Hartz IV allgemeinverständlich zu erläutern, ohne dabei in den Monopolbereich der Rechtsberatung abzurutschen.

An sich war das eigentlich ein recht guter Gedanke, da kaum einer der Betroffenen auch nur ansatzweise die Grundlagen und Spielregeln dieses Systems kennt und zum anderen die gesetzlich festgeschriebene Beratungspflicht der Jobcentermitarbeiter vorsätzlich durch diese ignoriert wird. Oder kennen Sie einen der sogenannten Arbeitsvermittler der seiner Beratungspflicht nachkommt? Ich jedenfalls nicht.

Mit der Zeit, wir sind ja schon im neunten Jahr Hartz IV, hat sich immer deutlicher gezeigt, dass der von der Politik bezweckte Effekt des sich Abfindens mit einem System, welches das im Grundgesetz verankerte Grundrecht auf Selbstbestimmung unterläuft und faktisch für die Betroffenen außer Kraft setzt, sie entmündigt und einen Arbeitsvermittler, der diese Bezeichnung nicht wert ist, praktisch als Vormund einestzt und mit gewisser Allmacht ausstattet, wie erwartet eingetreten ist.

Man kann sich eben 120prozentig darauf verlassen, dass sich der gemeine Deutsche schnellstens mit Allem abfindet, auch wenn es sich um staatlich verordnete Einschnitte in den Grundrechten handelt. Kaum einer interessiert sich noch dafür ob den alles Rechtens ist was die Jobcentermitarbeiter anweisen und verlangen. Sanktionen werden hingenommen ohne die Rechtmäßigkeit zu hinterfragen und gemeckert wird auf hohem Niveau, aben nur in der Stammkneipe und beim Damenkränzchen.

Es hat sich herausgestellt, dass es reine Zeit- und vor allem Geldverschwendung ist, dem Deutschen Bürger Hilfestellung im Verwaltungsdschungel bieten zu wollen.

Deshalb wird sich in den nächsten Wochen und Monaten der Inhalt dieses Blogs grundlegend ändern.

Ich danke allen, die in der vergangenen Zeit diesen Blog als Informationsquelle gesehen und genutzt haben und hoffe das auch die geplanten neuen Inhalte eine Infoquelle für euch sein werden.

01.03.2014

Jobcenter verschlimmern Hartz IV Situation

Jobcenter verschlimmern Situation von Erwerbslosen


Dirk Kratz, Sozialpädagoge an der Universität Hildesheim, hat im Rahmen seiner Doktorarbeit „Entfremdete Hilfe“ untersucht, welche Hilfen für Langzeiterwerbslose sinnvoll sind oder welche nicht.

Sein Fazit: Die standardisierte Fallbearbeitung im Jobcenter führt dazu, dass sich die Situation der Betroffenen häufig sogar noch verschlechtert.

Durch Bevormundungen und erzieherische Maßnahmen wie Sanktionen wolle man den Erwerbslosen zu einem arbeitsmarktkonformen Verhalten zwingen, erläutert Kratz im Interview mit „Zeit online“.
Letztlich führe diese Art der Erwerbslosenbetreuung aber meist zu einem Verlust des Selbstwertgefühls des Betroffenen und verringere letztlich seine Chancen auf eine neue Stelle.

Arbeit des Jobcenters ist kontraproduktiv 


Der Sozialpädagoge untersuchte, welche Hilfen für Langzeiterwerbslose sinnvoll sind, um wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zudem analysierte er die aktuelle Vermittlungspraxis in den Arbeitsagenturen und Jobcentern.

Dabei kam Kratz zu dem Ergebnis, dass das übliche Vorgehen bei der Arbeitsvermittlung weit von dem abweicht, was Erwerbslose benötigen.
„So wie die Hilfe derzeit angelegt ist, richten die Jobcenter großen Schaden an. Sie machen mehr kaputt, als dass sie helfen. Das ist ein ganz zentrales Ergebnis meiner Arbeit“, berichtet Kratz gegenüber der Online-Redaktion der „Zeit“. 
Eines der wesentlichen Probleme bestehe in der Entwertung der bisherigen Berufsbiographie der Erwerbslosen durch das Jobcenter. Die berufliche Erfahrung werde als Defizit angesehen, das behoben werden müsse. Es sei aber viel sinnvoller, die Erfahrung als Basis anzusehen, um daraus etwas Neues zu entwickeln, erläutert der Sozialpädagoge weiter.

Die Jobcenter und Arbeitsagenturen würden grundsätzlich davon ausgehen, dass ein Mangel an bestimmten Fähigkeiten Ursache der Erwerbslosigkeit sei. Deshalb würden Betroffene in häufig unpassende Maßnahmen gesteckt.

Kratz berichtet in diesem Zusammenhang von Rechtschreibkursen und ähnlichem, bei denen entsprechende Defizite von vornherein unterstellt werden. Da die Qualifizierungsmaßnahmen der Jobcenter aber häufig nicht funktionierten und die Erwerbslosen dennoch keinen Job fänden, führten sie letztlich zur weiteren Entfremdung vom Arbeitsmarkt.
„Ihre Berufserfahrung veraltet, ihr Selbstbewusstsein leidet. Sie finden noch schwerer einen Job“, erläutert Kratz. 

Fähigkeiten und Wünsche der Erwerbslosen müssten stärker Berücksichtigt werden


Die Arbeitsvermittlung versucht zwar, Erwerbslose zu qualifizieren und auf diese Weise wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, aber der Weg dorthin ist falsch.
Nicht der Erwerbslose müsse sich an irgendeine, womöglich fachfremde Stelle anpassen, die weder seinen Fähigkeiten noch seinen Wünschen entspricht, sondern es müsse eine Stelle gefunden werden, die zum Erwerbslosen passe, fordert der Sozialpädagoge. 
Nur so könne der Betroffene einen Bezug zu seiner Arbeit herstellen und sich dabei wohl fühlen. Das sei viel nachhaltiger.
Derzeit würde aber allein das Jobcenter entscheiden, was als Defizit und was als Kompetenz angesehen werde. Der Erwerbslose selbst habe kein Mitspracherecht.
„Es entsteht eine große Orientierungslosigkeit. Durch die vielen erfolglosen Versuche, wieder zurück in den Arbeitsmarkt zu kommen, fühlt man sich gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert,“ berichtet Kratz. „Dabei wünschen sich alle Leute, mit denen ich geredet habe, eine sinnvolle, erfüllende Tätigkeit.“ 

Kratz fordert mehr Mitspracherecht und Freiräume für die Erwerbslosen. Es sei wenig sinnvoll, sich ausschließlich am Markt zu orientieren. Stattdessen müsse viel stärker auf die Erwerbslosen eingegangen werden. Das führe letztlich zu einer stabileren Erwerbsgesellschaft. (ag)
Quelle: www.gegen-hartz.de