Im April 2012 lag die Zahl der erwerbsfähigen Empfänger von Leistungen der Grundsicherung (SGB II) bei 4,5 Millionen, von denen 1,3 Millionen erwerbstätig waren (sogenannte Aufstocker). Dies hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, in ihrer aktuellen Kurzstudie ermittelt.
Laut IAB waren von diesen wiederum rund 350.000 trotz einer Vollzeitbeschäftigung auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. „Der Verbleib im Leistungsbezug trotz Vollzeittätigkeit kann überwiegend auch daran liegen, dass der Monatslohn oder der Stundenlohn – gemessen an der Haushaltsgröße – zu gering ist“, schreiben die IAB-Autoren.
Allerdings arbeiten auch 60 Prozent der Aufstocker weniger als 22 Stunden in der Woche. Die Hälfte von ihnen geht einer Beschäftigung nach, die weniger als elf Stunden in der Woche beträgt. In der Gruppe der Singles macht dieser Anteil 73 Prozent (41 Prozent weniger als elf Stunden, 32 Prozent weniger als 22 Stunden) aus.
Niedriger Stundenlohn
Unter den Single-Aufstockern erhalten in Westdeutschland 37 Prozent einen Stundenlohn, der unter fünf Euro liegt. In Ostdeutschland steigt diese Quote bei den Alleinstehenden dramatisch auf 63 Prozent an.
Betrachtet man alle Gruppen von Aufstockern, dann verdienen 33 Prozent (West) und 47 Prozent (Ost) weniger als fünf Euro je Stunde. Und weitere 33 Prozent (West) und 37 Prozent (Ost) kommen auf Stundenlöhne zwischen fünf und 7,50 Euro.
Im Durchschnitt verdienen Aufstocker 6,20 Euro (West:6,80 Euro, Ost: 5,20 Euro). Die Stundenlöhne vergleichen sich mit durchschnittlichen Stundensätzen, die abhängig Beschäftigte außerhalb des Leistungsbezugs erhalten, von 16,76 Euro im West und 13,54 Euro im Osten.
Für über 60 Prozent gilt: Einmal Aufstocker, immer Aufstocker
Ausgehend von Erhebungen im Jahr 2010 waren 62 Prozent der Aufstocker auch schon im Jahr zuvor auf Transferleistungen angewiesen. Aber 61 Prozent der Aufstocker blieben es auch im Folgejahr. „Es zeigt sich also eine relativ hohe Stabilität hinsichtlich der Arbeitsmarktbeteiligung von Aufstockern“, heißt es weiter.
Insgesamt bildeten die Aufstocker eine sehr heterogene Gruppe. Die Auswertung von Daten der Arbeitsagentur zeigten auch, dass Aufstocker, auch wenn sie durchgängig beschäftigt gewesen seien, häufig das Arbeitsverhältnis wechselten.
Die Chance, aus der Grundsicherung wieder herauszukommen, hängt auch wesentlich vom Alter und dem Gesundheitszustand der Aufstocker ab. Mit zunehmenden Alter und/oder zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden sinke die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs. „Geringfügige Beschäftigungs-Verhältnisse erweisen sich dabei als ein besonders schwieriger Weg in eine ungeförderte Beschäftigung.“
von Manfred Brüss, gefunden auf www.versicherungsjournal.de
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