20.08.2013

2010 waren über eine Million Kinder armutsgefährdet

Ob Kinder armutsgefährdet sind, hängt in hohem Maße davon ab, in welchem familiären Umfeld und in welchem Bundesland ein Kind aufwächst und ob ein Migrationshintergrund besteht. Insgesamt waren 2010 rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche armutsgefährdet (Schwelle: 60 Prozent des Medianeinkommens), wie das Sozialministerium in Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion bekannt gab.

In Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion (Bundestagsdrucksache 17/14521) hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) neue Zahlen zur Armutsgefährdung von Kindern veröffentlicht. Demnach hat die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren im Jahr 2010 (Schwelle: 60 Prozent des Medianeinkommens) mit 13,9 Prozent zwar den günstigsten Wert seit 2006 erreicht.

Die Bundesregierung sieht sich dank der positiven Arbeitsmarktentwicklung auf gutem Weg. Im Jahr 2011 seien 236.000 Kinder unter 15 Jahren weniger in Hartz-IV-Haushalten gewesen als noch im Jahr 2007. 2010 waren allerdings insgesamt rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche armutsgefährdet.

Kinder mit Migrationshintergrund haben sehr hohes Armutsrisiko


Ein tieferer Blick in die Statistik zeigt allerdings erhebliche Unterschiede. Denn bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt das Armutsrisiko bei über 50 Prozent. Dies könnte daran liegen, dass sie häufig in kinderreichen Haushalten mit entsprechendem finanziellen Bedarf leben, vermutet das Ministerium.

Gemessen an der Bevölkerung in Haushalten mit Kindern unter 18 Jahre lag die Armutsgefährdungsquote für Kinder im Jahr 2010 ohne Migrationshintergrund bei 11,3 Prozent und mit Migrationshintergrund bei 29,0 Prozent.

Bei drei Kindern steigt diese Quote bereits von 29,0 auf 38,6 Prozent und bei vier Kindern auf 55,3 Prozent. Gehören noch mehr Kinder zum Haushalt, liegt die Marke bereits bei 54,8 Prozent.

Lage bei Alleinerziehenden hat sich seit 2000 klar verschlechtert


Wiederum am Einkommens-Armutsrisiko (Schwelle: 60 Prozent des Medianeinkommens) gemessen ist Kinderarmut bei arbeitslosen und alleinerziehenden Haushalten mit Abstand am höchsten.

In Arbeitslosen-Haushalten lag im Jahr 2010 das Armutsrisiko für Kinder bei 56,4 Prozent. Dies ist der schlechteste Wert seit 1998. Im Jahr 2000 sah die Lage mit einer Quote von 33,6 Prozent weitaus weniger gravierend aus.

Und in den alleinerziehenden Haushalten sind noch 40,1 Prozent der Kinder armutsgefährdet. Im Jahr 2000 hatte die Quote bei 33,9 Prozent gelegen. Der schlechteste Wert seit 1998 war im Jahr 2009 mit 42,9 Prozent erreicht worden.

Alleinerziehende Haushalte in Sachsen-Anhalt besonders gefährdet


Das Ministerium schlüsselte auch die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen nach Bundesländern auf. Danach bildeten im Jahr 2011 Bremen mit 32,6 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 30,1 Prozent die Schlusslichter.

Differenziert nach Haushaltstypen stehen die alleinerziehenden Mütter und Väter wiederum im Brennpunkt. Hier hält Sachsen-Anhalt die unrühmliche Spitzenquote mit 60,6 Prozent. Wenig besser sieht es in Mecklenburg-Vorpommern (57,7 Prozent) und Sachsen (54,4 Prozent) aus. Für Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es die schlechtesten Werte seit 2005.

Das BMAS erklärte zu den Zahlen, dass der Blick ausschließlich auf das Haushaltseinkommen zu kurz gegriffen sei. So würden etwa allgemeine Wohlfahrtsgewinne (steigt der Median, steigt die Armutsschwelle) nicht erfasst.

Bei einem auf Einkommen beschränkten Konzept blieben die Wirkungen von Sach- und Dienstleistungen unbeachtet, und zwar selbst dann, „wenn sie das Leben der Betroffenen nachhaltig verbessern“. Die gestellten Fragen bezogen sich im Wesentlichen auf die Einkommensverhältnisse, in denen Kinder aufwachsen.

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